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Der Schreibtisch-Souverän

Donnerstag, Mai 27th, 2010

Der klassische Zeitmanager ist ein edler Einzelkämpfer. Er – selten handelt es sich um eine Zeitmanagerin – ist ein älterer Herr, beruflich selbständig und leidlich erfolgreich. In seiner Jugend hat er sich intensiv mit den Klassikern des Zeitmanagements auseinander gesetzt. Den „Großmann“ hat er gelesen, ein mehrtägiges Hirt-Seminar besucht. Auch zu seinem time/system-Zeitplanbuch, das er seit zwanzig Jahren akribisch und mit Freude verwendet, hat er sich schulen lassen.

Seither lenkt er, meist souverän an seinem Schreib­tisch sitzend, seine Geschäfte. Auch seine privaten Angelegenheiten plant er gründlich und geht „nach Methode“ vor. Täglich erlebt er kleine Momente des Glücks, wenn er seinen Tagesplan erfüllt hat.

Mittels seiner Arbeitsmethodik – Zielplanung, Prioritä­tenbildung, Zeitplanung und Ablageplan – bereitet er seinen Erfolg vor, erledigt seine Aufgaben und legt seine Dokumente strukturiert in dicken Ordnern ab.

Doch was im Kopfzerbrechen bereitet, sind seine neue elektronischen Helfer: sein Handy für unterwegs und sein Notebook („Man muss ja mit der Zeit gehen“.) und die immer intensivere und schnellere Kommunikation mit Kollegen und Kunden.

Versucht er mit seinen elektronischen Werk­zeugen sich und seine Arbeit zu organisieren, dann verliert er schnell seine Souveränität. Beruflich ist er abhän­gig von aktuellen Informationen, die er heute („leider“) über E-Mails empfängt oder selbst im Internet recherchiert. Bei einigen seiner Aktivitäten ist er angewiesen auf schnelle Kommunikation mit anderen, auf Aus­tausch, Meinungsbildung und gemeinsame Entscheidung. Dabei geht manches schief, wie er selbst findet. Bei dieser täg­lichen Flut neuer Infor­mationen schwankt er zwischen Organisieren, Abwehren und – manchmal – Aufgeben.

Stößt er im Internet auf Interessantes, speichert er es irgendwo auf seinem Rechner ab. Irgendwo, denn die Ordnerstruktur seines Notebooks ist ihm ungeheuer. Daher druckt der Wichtiges immer aus, um es wenigstens in Papierform in seinem bewährten Ablagesystem „fundsicher“ unter­zubringen.